Lessons Learned bei Continental - GfWM Stammtisch MR Nürnberg am 03.12.2009
Christoph Hechler, Continental AG, hat zunächst von Lessons Learned mit Lessons Learned gesprochen.
Damit beschrieb er die Analyse, die Continental an den Anfang stellte: Sehen
was bei KM-Projekten in anderen Unternehmen nicht geklappt hat, um diese Fehler selber zu vermeiden.
Offensichtlich, weil Herr Hechler aus der Automobilindustrie kommt, spricht er sehr intensiv von Lessons Learned und weniger von Wissensmanagement oder KM. „Drill deep“ und „Drill wide“ ist offenbar das Qualitätsprinzip dort, was bedeutet: Gehe einem Fehler auf den Grund, bis die Ursache gefunden ist (drill deep) und informiere dann in der Organisation alle, die in ähnliche Situationen kommen könnten
(drill wide).
Drill deep and wide ist dann auch das Grundprinzip des aufgebauten Lessons-Learned-Systems bei Continental.
Als anschauliches Beispiel für dieses Lessons Learned Prinzip gilt die Information zu mobilen Geschwindigkeitskontrollen. Hier melden einzelne Autofahrer Blitzerstandorte an einen Radiosender, der diese Informationen dann an alle verteilt. Was dann andere Autofahrer dazu nutzen, an diesen Stellen langsamer zu fahren, um nicht geblitzt zu werden. Derjenige der das meldet, hat gar keinen
Nutzen davon. Aber alle anderen haben einen großen Nutzen, wenn sie die
Information in verständlicher Form erhalten.
Was macht Lessons Learned erfolgreich?
Es ist kein Problem, wenn jemand einen Fehler macht, aber es ist ein Problem, wenn ein anderer den Fehler zum zweiten Mal macht“ ist die Aussage eines ehemaligen Vorstandes. Aus den gemachten Fehlern sei auch mehr zu lernen als aus allen Best-Practice-Beispielen, ist die Einstellung in dieser Organisation. Deshalb sind heute 80% der Lessons Learned-Beispiele Beschreibungen von Fehlern und deren Behebung.
Hier wird deutlich, dass es einer besonderen Kultur bedarf, die nicht Schuldige sucht, sondern Fehler als Lernchancen für alle begreift: „Die größten Böcke sind auch die mit den größten Einspar-Potentialen“. Fehler werden als Gemeinschaftserlebnisse gesehen, und nicht auf Einzelpersonen bezogen.
Das die Geschäftsleitung ein solches Lessons Learned System haben will, muss in jedem Falle sichtbar werden, so Christian Hechler. Bei allen ersten
Informationen zu diesem System war immer ein Vorstand persönlich anwesend. Sogar in den Personalprozessen ist das Wissensmanagement verankert. Einerseits werden in den Mitarbeitergesprächen Fragen zur Beteiligung an Lessons Learned Communities gefragt, und zum Anderen gibt es spezielle Karrierewege für Experten, von denen verlangt wird, sich als Lessons Learned Experts oder Coaches zu engagieren.
Im Lessons Learned System gelten 3 Grundregeln:
- Klare Struktur: Dafür werden Templates, Regeln und Keywords verwendet
- Auffindbarkeit: Dafür sorgt eine vorab festgelegte Klassifikation mit 120
Kategorien - Qualität: Jeder Artikel wird noch einmal von einem Experten überprüft,
und es muss nachgewiesen sein, dass die Lösung auch funktioniert hat.
Insgesamt ist das Marketing und die Kommunikation zu Lessons Learned in der Organisation ein andauernd wichtiges Thema, mit der Empfehlung endet der spannende Vortrag. Danke Hr. Hechler!
Karlheinz Pape
- karlheinz.pape's blog
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