Kategorie Diskussion:GfWM-Wissensmanagement-Modell

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Im Rahmen des GfWM-Stammtisches Ruhrgebiet am 24.04.2008 wurde von mir eine Beurteilung zum Wissensmanagement-Modell der GfWM vorgebracht und gemeinsam diskutiert. Dort ist jetzt auch die Präsentation zu finden, die beim GfWM-Stammtisch am 24.04.2008 vorgestellt wurde. Hier ist die erweiterte Fassung der Diskussion:


Inhaltsverzeichnis

Vorteile des GfWM-Modells:

  • Das GfWM-Modell erscheint einfach und übersichtlich
    • [Feedback Boris Jäger] Ja, das stimmt, hat sich aber erst im Nachhinein als Vorteil herausgestellt;-) Meines Erachtens ist es aber noch zu sehr didaktisch reduziert. Die Herausforderung für die Zukunft dürfte sein, eine Balance zwischen didaktischer Einfachheit und professioneller Komplexität zu erreichen. Dies auch vor dem Hintergrund Ihres feedbacks ...
      • [Peter Flesch] Diese Balance dürfte nur durch eine fallbezogene Anaylse zu erreichen sein. Das Modell sollte dafür eine deduktive Hilfestellung bieten. Es müsste so allgemein (einfach) wie möglich sein, aber nicht enfacher ;-). Die analytische Methode sollte dagegen die ganze Komplexität professionell abbilden. Hier kann einmal die Methodik des Vernetzten Denkens nach Probst et al. zum Einsatz kommen. Zur Entwicklung und Darstellung des Systems könnte zudem die Semistrukturierte soziotechnische Modellierungsmethode SeeMe gute Dienste bieten.
  • Es ermöglicht die Mitwirkung vieler Akteure
    • [Feedback Boris Jäger] Viele können mitwirken aber was letztendlich ins Modell kommt entscheiden die sog. Experten im Fachteam, in dem nicht mal alle GfWM-Mitglieder mitwirken dürfen - eben nur "Experten". Das könnte man vielleicht etwas demokratischer gestalten, indem man vielleicht vor jeder Versionserneuerung die Modellvorschläge der einzelnen Fachteammitglieder zur Wahl stellt, oder so ...
  • Es ist frei verfügbar
    • [Feedback Boris Jäger] Wenn ich das Modell von Probst et al. verwende, muss ich dann zahlen?
      • [Peter Flesch] für die Verwendung vielleicht nicht, aber z.B. für die Fachliteratur. Weitergehende Erläuterungen zur Vorgehensweise sind entweder nicht ausreichend darin enthalten oder diese sind nur über teure Seminare bzw. Kongresse zu bekommen.
  • Es stellt eine Verbindung zu bekannten und erprobten Methoden her
    • [Feedback Boris Jäger] Das ist soweit nicht schlecht. Auf der anderen Seite, wird das Modell nicht dadurch eingeschränkt und besteht nicht die Gefahr, dass Wissensmanagement nur zu einem Anhängsel dieser Methoden degeneriert?
      • [Peter Flesch] Diese Gefahr sehe ich auch. Bei dem hohen Aufwand der anderen Methoden könnte es sogar zu einer automatischen Verdrängung des WM-Modells kommen.
  • Die Entwicklung ist nachvollziehbar und gut dokumentiert
    • [Feedback Boris Jäger] Das stimmt! Zumindest im Vergleich mit anderen.
  • Ein professionelles Fachteam und anerkannte Organisation sorgt für die Entwicklung und Verbreitung
    • [Feedback Boris Jäger] Professionell? Anerkannt? Ich glaube da stimmt nicht jeder mit überein.


Nachteile des GfWM-Modells:

  • Der Wissensbegriff ist ungeklärt (ontologisch = Objekt oder konstruktivistisch = Prozess?)
    • [Feedback Boris Jäger] Das stimmt, wird aber im Whitepaper zum Modell nachgeholt. Abgesehen davon, selbst wenn der Wissensbegriff bei Anderen definiert wird, wird sich später nicht daran gehalten. Da wird von Wissen ist nur an den Menschen gebunden und gleichzeitig von Wissensmanagementsystemen im technischen Sinne gesprochen ... Nicht nur meines Erachtens, sollte Wissen sowohl als Objekt und Prozess definiert werden - als Objekt in Wissensträgern (Das sind nicht nur Menschen!), als Prozess im Rahmen der Informationsverarbeitung. Letzteres soll heißen, dass Wissen in Form von Daten und Informationen zwischen den Wissensträgern transferiert wird und diese die empfangenen Daten/Informationen (1) als neues Wissen, Daten oder Informationen speichern, (2) in neues Wissen generieren oder (3) verwerfen - dies in Abhängigkeit von verschiedenen Kontextfaktoren. Folgende Abbildung veranschaulicht diesen Prozess (finde sie gerade nur in engl.):
  • Die Qualität der Beziehungen zwischen den Elementen sind unbestimmt , einseitig oder nicht dargestellt
    • [Feedback Boris Jäger] Welche Beziehungen meinen Sie da konkret? Ein paar mehr Beziehungen sind sicherlich nicht von der Hand zu weisen aber in Bezug auf die Prozessdarstellung Ihres Stammtisches sollten es auch nicht zu viele sein, das wird leicht unübersichtlich. Und da alles irgendwie miteinander in Beziehung steht, sollten nur die wichtigsten Beziehungen richtungsweisend dargestellt werden
      • [Peter Flesch] Es geht nicht nur um die Anzahl der Beziehungen, sondern um die Merkmale der Beziehungen. Wofür steht ein Vektor: Prozess, Information, Transaktion, Ressourcen oder alles gleichzeitig? Welche Bedeutung hat die Verbindung und wie wirkt sie sich zeitlich und qualitativ (positive oder negative Rückkopplung) aus? Zwischen den Elementen der Wissensbasis wird keinerlei Verbindung dargestellt. Gerade hier wäre es wichtig zu wissen, wie diese Elemente sich gegenseitig beeinflussen. Ein simpler Pfeil liefert allerdings kaum einen Erkenntnisgewinn. Hier ist eine theoretisch fundierte Modellbildung erforderlich.
  • Die Organisation erscheint als ein abgeschlossenes System mit minimalen Interaktionen nach außen
    • [Feedback Boris Jäger] Das sage ich schon die ganze Zeit. Die Wissensbasis muss über die Organisation hinaus gehen. Wenn man darüber hinaus zumindest den Kasten der Wissensbasis strichelt, erscheint die Organisation als offenes/löchriges System. Das habe ich an anderer Stelle dargestellt: Link
  • Es fehlen Partner, Kooperationen und Netzwerke, Wettbewerber sowie andere Stakeholder
    • [Feedback Boris Jäger] Die werden doch alle unter Stakeholder zusammengefasst und durch die überlappenden Kästen visualisiert, oder?
      • [Peter Flesch] OK, dafür stehen also die Kästchen. Trotzdem halte ich die spezifischen Unterschiede der genannten Stakeholder für zu groß, um alle mit einem unbestimmten Symbol zusammenfassen zu können. Das ist m.E zu einfach.
  • Es besteht ein Unterscheidungsdefizit zwischen der normativen, strategischen und operativen Ebene
    • [Feedback Boris Jäger] Das stimmt, der Wissensmanagementprozess ist auch noch nicht konkret in das Modell eingearbeitet worden. Analog zur Prozessuntergliederung in Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse könnte man die Ebenen zuordnen ...
  • Die Integration externer Methoden bleibt unklar (welche, von wem, wann, wie und warum)
  • Ein Change-Management wird nicht integriert
  • Eine lernende Organisation wird vorausgesetzt (oder angestrebt?)
    • Wo sind die Dimensionen gemeinsame Vision, Persönliche Entwicklung, Team-Lernen, Systemdenken?
    • Das mentale Modell wird in der Infrastruktur „vergraben“
  • Die Besonderheiten der Wissensarbeit werden nicht explizit behandelt
    • Die Gestaltungsfelder der Wissensarbeit werden daher nicht ausreichend betont (Sinn, Motivation, Kreativität, Innovation, Kompetenzen, Employability, Fitness, Konditionen)
  • Die Aspekte der Wissensgesellschaft werden ebenfalls nicht hervorgehoben
  • Das GfWM-Modell wird der Komplexität (intern und extern) so nicht gerecht

Grundsätzliche Nachteile des GfWM-Modells:

  1. Eine organisationstheoretische Grundlage des GfWM-Modells ist nur ansatzweise erkennbar
  2. Die strategische Steuerung erfolgt durch externe Methoden (BSC, Wissensbilanz, ..)
  3. Kontingente Schemata fehlen (Kulturraum, Branche, Konzern / KMU / Selbstständige, Profit / Non-Profit)
  4. Das zusätzliche angekündigte Vorgehenskonzept müsste diese Defizite ausgleichen
  5. Es gibt keine im Modell selbst integrierte Reflexion über:
    1. das GfWM-Modell im Vergleich zu anderen Modellen
    2. das Wissensmanagement mit seinen (Fehl)-Entwicklungen und Perspektiven
  6. Es fehlt eine Evaluations-Ebene bei der Anwendung des GfWM-Modells
  7. Es ist unklar wie unvermeidliche Differenzen im Open-Content-Konzept letztlich konstruktiv gelöst werden


Links zu den vorgestellten Metamodellen

Die Doppelte Dualität von Wissen in Organisationen

Buch: Fried, Andrea: Wissensmanagement aus konstruktivistischer Perspektive

Verlag - Autorin - Rezension

Grazer Metamodell

Wissensmanagement - Ansätze S. 44

Osto-Modell

OSTO Systemmodell als Werkzeug - OSTO Beschreibung - OSTO Präsentation - OSTO Systemberatung

Komplexitätsmanagement

Buch: Kruse: next practice - Erfolgreiches Management von Instabilität


--P.Flesch 14:34, 26. Apr. 2008 (CEST)

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